Von Friedrich Hasse  |  in Allgemein

FAZ-Beitrag zum digitalen Lesen vs. Lesen auf Papier

Foto: Karolina Grabowska, Polen (https://pixabay.com/en/man-reading-touchscreen-blog-791049/)

Selten genug schafft es das Thema „Lesen“ auf die Titelseiten gängiger Zeitungen und Magazine… Kürzlich (22.3.) war es mal wieder soweit, als sich die FAZ in einem aktuellen Beitrag der Forschungsinitiative „E-Read“ widmete, die seit 2014 die Spezifik des digitalen Lesens mit seinen Vor- und Nachteilen erforscht. Dabei handelt es sich um eine bunte interdisziplinäre Truppe von Psychologen, Pädagogen, Neuro-, Sozial- und Kulturwissenschaftlern. Eine erstaunliche Anekdote vorweg: 7-jährige dänische Schüler, die in der Schule ausschließlich mithilfe elektronischer Medien lesen, bevorzugen in ihrer Freizeit den Gang zur Bibliothek mit „echten“ Büchern: „[I]hnen gefällt, wie leicht es dann geht, gleich mit dem Lesen anzufangen: Man muss ein solches Buch einfach nur aufschlagen!“

Viele weitere Vorteile des Lesens auf Papier werden benannt, so die verbesserte Merkfähigkeit und die höhere emotionale Beteiligung, vor allem bei längeren Texten. Die Forscher möchten zwar keine direkte Wertung abgeben, regen aber dazu an, sich bewusster mit den langfristigen kulturellen, psychologischen und auch gesundheitlichen Folgen des epochalen Medienwechsels vom Papier zum Bildschirm auseinanderzusetzen. Negative Erwähnung findet die inzwischen gängige Praxis, Babys mit Tablets „ruhigzustellen“ – erwiesenermaßen schädlich für die Entwicklung der Sehfähigkeit, insbesondere des stereoskopischen (3-D) Sehens.

Dabei sind die praktischen Vorteile von e-Books & Co. unbestreitbar, vor allem die breite Vielfalt und der Umfang des Textmaterials auf physisch engstem Raum. Und wer viel Fremdsprachiges liest, kann sich die Wortbedeutungen ggf. unmittelbar anzeigen lassen, anstatt in dicken Wörterbüchern zu blättern.

Speed Reading-Techniken für digitales Lesen

Wer Speed Reading-Techniken beherrscht, kann zusätzlich von den digitalen Möglichkeiten profitieren, beispielsweise indem er die Zeilenbreite bewusst in Bezug auf seine persönliche Fixierungsbreite optimiert. Eine der wichtigsten Speed Reading-Techniken, das sogenannte „Chunken“, also die automatische Erfassung von Wortgruppen statt von Einzelwörtern, kann dadurch erleichtert werden. Das gilt v.a. fürs Zeitungslesen, wo in Papierform oft noch sehr enge Zeilen vorherrschen, die eher eine Wort-für-Wort-Lesehaltung nahelegen. In einer fortgeschrittenen Variante kann die Zeilenbreite etwas über den Bereich des scharfen Sehens hinaus erweitert werden. Damit wird auch das periphere Sehen und das partielle Ergänzen aus dem Kontext herangezogen – neben der erhöhten Geschwindigkeit gleichzeitig ein praktisches Lesetraining.

Mein persönlicher Geschmack bleibt jedoch dem „Luxus“ des Buchlesens auf Papier verhaftet, gerne auch dicke Wälzer von Dostojewski oder Thomas Mann. (Diese werden ja übrigens mit Speed Reading-Technik nicht einfach bloß schneller gelesen, sondern auch viel wacher und konzentrierter.) Von den inzwischen wohl über 1.000 Bänden meiner Bibliothek, die mich im Alltag, buchstäblich „im Vorbeigehen“, zum spontanen „einfach nur Aufschlagen“ und Schmökern anregen (ob mit oder ohne Speed Reading-Technik), mag ich mich so schnell nicht trennen…