Von Friedrich Hasse  |  in Allgemein

Wuppertaler Forscher untersuchen Speed Reading

Eine Forschungsgruppe um den Wuppertaler Professor Ralph Radach, Deutschlands führenden Leseforscher, geht in dieser Ausgabe des Forschungsmagazins der Uni Wuppertal (ab S. 18 im pdf-Dokument) von der Frage aus, dass das Thema „Speed Reading“ einerseits viele Menschen interessiert und begeistert, andererseits von der Wissenschaft bislang weitgehend ignoriert worden ist.

Schnelles Lesen zu trainieren ist möglich – das ist die Quintessenz dieses interessanten Beitrags mitten aus der empirischen Forschungspraxis, wenn auch keine eindeutigen Empfehlungen zu den anzuwendenden didaktischen Techniken gegeben werden.

Wichtige Erkenntnisse zum Thema „Schneller lesen“:

  • Befunde aus der elektroenzephalographischen (EEG-) Forschung zeigen, dass die Verarbeitung von Wörtern im Gehirn deutlich schneller vonstatten geht, als es der durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit der meisten Menschen entsprechen würde. „Diese Reservekapazität kann man durchaus als Grundlage eines Lesetrainings diskutieren.“ Schnelles Lesen ist also kein besinnungsloser Tempofetischismus, sondern heißt schlichtweg gehirngerechtes Lesen – so vermitteln wir es schon seit vielen Jahren in unseren Kursen.
  • Das in der Versuchsanordnung erzwungene Weglassen der Regressionen (Rücksprünge beim Lesen) bewirkte keinen Rückgang des Textverständnisses, wohl aber ein erheblich schnelleres Lesen. Bei Improved Reading ist die Regression einer der drei Hauptlesefehler. Wesentliche Teile unseres Trainings sind als Anti-Regressions-Training zu verstehen…nur dass bei uns nicht so „fies“ vorgegangen wird wie in diesem Versuch, bei dem die Neigung zum Zurückspringen durch einen „aversiven Ton“ im Ohr der Probanden bekämpft wurde.
  • Die individuelle Ausprägung der Blickspanne kann nach Ansicht der Forscher nicht trainiert werden. Auch wir gehen davon aus, dass es lediglich um das Ausschöpfen der vorhandenen – anatomisch vorgegebenen – Blickspanne geht, nicht aber um deren Erweiterung.

Und, ja, es ist sicher wahr, dass allein der Wille zur Veränderung – ein eher unstrukturiertes „Schneller lesen“ ohne Techniken und systematisches Training – schon eine Menge bewirken kann, wie im Beitrag angedeutet wird. Vor dem Hintergrund unserer jahrzehntelangen Erfahrungen als Lesetrainer vermuten wir dennoch, dass die meisten Menschen einen didaktisch durchdachten Ansatz bevorzugen und im Rahmen eines von einem erfahrenen Trainer angeleiteten Gruppentrainings einfach besser und schneller zu ihrem Lernziel gelangen.