Von Friedrich Hasse  |  in Allgemein

Hamburger Erklärung: „Jedes Kind muss lesen lernen!“

Fast ein Fünftel aller 10-jährigen Kinder in Deutschland (18,9%) kann einen Text nicht so lesen, dass er angemessen verstanden wird. Das ist das Ergebnis der aktuellen, im Jahr 2017 vorgestellten „Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu)“, die alle fünf Jahre durchgeführt wird. Damit befindet sich Deutschland auf Platz 21 von insgesamt 47 teilnehmenden Staaten. Bei der ersten Studie im Jahr 2001 belegte Deutschland noch Platz 5, obwohl die absoluten Zahlen ähnlich schlecht waren. Zugleich ist der Anteil von Kindern mit sehr guter Lesefähigkeit seit 2001 von 9 auf 11% gestiegen. Und die Kinder von Facharbeitern haben – selbst bei gleicher Leistung – heute deutlich geringere Chancen, eine Empfehlung fürs Gymnasium zu erhalten. Die stark wachsende soziale Kluft in der Gesellschaft insgesamt lässt sich mittlerweile also auch in der Grundschulbildung beobachten. Dies ist der Hintergrund für die sog. „Hamburger Erklärung“.

Die Hamburger Kinderbuchautorin Dr. Kirsten Boie hat eine in wenigen Wochen von fast 50.000 Menschen unterzeichnete Petition („Hamburger Erklärung“) ins Leben gerufen. Darin werden die mangelnde Lesefähigkeit und der immer stärkere Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungsstand scharf kritisiert. Zugleich werden von der Politik Gegenmaßnahmen eingefordert, etwa die Bereitstellung von Mitteln für mehr Grundschullehrer/inne/n und spezielle Fördermaßnahmen.

Speed Reading-Technik fördert Motivation bei Schüler/innen

Wir als weltweit führende Speed Reading-Lesetrainer/innen für Erwachsene begrüßen diese Initiative ausdrücklich. In der Regel trainieren wir Speed Reading für Firmen, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen. Dennoch haben wir auch einige Erfahrungen mit Jugendlichen gesammelt. In den Jahren 2003-2006 konnten wir in einer breit angelegten Evaluation mit 15 Kursen und fast 300 Schüler/innen an 10 Berliner Schulen (Gymnasien und Realschulen, teils in sozialen Brennpunkten) die Lesefähigkeit (Geschwindigkeit bezogen auf Textverständnis) im Schnitt um das 3,7-fache steigern.

Wichtiger als das bloß schnelle Lesen war jedoch etwas anderes. Die Schüler/innen haben nämlich durch die bewusste Beschäftigung mit Speed Reading-Methoden und Techniken und im Rahmen eines spielerischen Wettbewerbs Spaß am Lesen gewonnen. Dies steht im Gegensatz zu den verbreiteten Ansätzen zur Leseförderung, die primär auf die motivatorische Ebene abzielen (Vorlese-Aktionen mit Eltern, Lehrern, Prominenten usw.).  Dabei werden in der Regel nur die erreicht, die ohnehin schon gerne lesen.

Zugleich zeigt die Evaluation unseres Speed Reading-Schulversuchs, dass alle Schüler/innen einen erheblichen Leistungszuwachs verzeichnen konnten. Diejenigen mit einer unterdurchschnittlichen Ausgangsleistung steigerten sich zwar überdurchschnittlich, aber auch die guten Leser/innen erzielten eine deutliche Steigerung. Angesichts begrenzter öffentlicher Mittel käme ein solches Training daher allen Schüler/innen gleichermaßen zugute und würde zugleich doch einen Beitrag leisten, die Schere zwischen starken und schwachen Schüler/innen zu verringern.

Wir als Speed Reading-Profis sind gerne bereit, unsere Erfahrungen – auf geringer Kostenbasis – in Projekte einzubringen, die diesen Nutzen verdeutlichen, gerne in Pilottrainings mit verschiedenen Altersstufen (ab 12 Jahre).

Bildquelle: https://pixabay.com/en/boy-reading-studying-books-286240/ (Autorin: white77)