1. Wenn die Gedanken abschweifen: Schneller lesen.

Kennen Sie das? Die Augen gleiten über die Seite, aber die Gedanken sind ganz woanders.  Am Ende müssen Sie alles nochmal lesen. Eine typische Folge geistiger Unterforderung durch zu langsames Lesen! Grundsätzlich können wir Informationen mit 800 bis 1000 Wörtern pro Minute verarbeiten. Aber die meisten Menschen lesen nur 200-300 Wörter pro Minute. 3/4 der Gehirnkapazität sind beim Lesen dann mit anderen Dingen beschäftigt! Wenn Sie das nächste Mal unkonzentriert sind, sollten Sie einfachschneller lesen. Versuchen Sie es  irgendwie! Sie werden feststellen, dass Sie dann eher bei der Sache bleiben. Speed Reading heißt nämlich in erster Linie: „gehirngerecht“ lesen.

Extra-Speed Reading Tipp: Wenn wir schneller lesen, werden die Texte automatisch interessanter. Schnelleres Lesen fordert unser Gehirn stärker. Und alles, was uns mental herausfordert, „freut“ unser Gehirn wiederum. Egal, wie langweilig der Text ist. Probieren Sie das ruhig auch mal mit anderen Tätigkeiten aus, nicht nur beim schnellen Lesen.

2. Bevor Sie schnell lesen: Vorausschau.

Vorausschau heißt: „sich warmlaufen“ fürs anschließende Speed Reading. Blättern Sie den Text zunächst aufmerksam Seite für Seite durch. Achten Sie dabei auf hervorstechende Sinnsignale: Bilder, Überschriften, Infoboxen, lange/ungewöhnliche Wörter, Abkürzungen. Verweilen Sie nur wenige Sekunden auf jeder Seite, bleiben Sie nicht am Text „kleben“. Lassen Sie sich überraschen, wie viel Sie dennoch schon vom Inhalt aufnehmen. Am Absatzanfang steht übrigens meist die Kernaussage. So erkennen Sie schnell, welche Bedeutung ein Text für Sie hat. Anschließend lesen Sie ihn zügiger und zielorientierter, weil Sie auf den Inhalt eingestimmt sind.

Oder Sie lesen den Text auch gar nicht…das ist einer der zeitsparendsten Speed Reading Tipps ;-). Nach der Vorausschau entscheiden Sie das auf einer qualifizierten Grundlage, anstatt den Text unbesehen wegzuwerfen.

3. Schnelles Lesen heißt: nach vorne schauen.

Die meisten Menschen springen beim Lesen ständig in der Zeile zurück – aus Unsicherheit oder Perfektionismus. Damit blockieren sie völlig unnötig ihr Potenzial, schnell zu lesen. Beobachten Sie selbst, ob Sie wirklich etwas Neues dabei aufnehmen, wenn Sie zurückspringen. Meist versichern Sie sich nur: „Ja stimmt, hatte ich schon!“ Gleichzeitig bringen Sie aber die Logik des Textes durcheinander – gar nicht gut fürs Verständnis! Nehmen Sie wenigstens einen zusammenhängenden Sinnabschnitt (z.B. Absatz), als Ganzes auf, bevor Sie zurückspringen. Vieles klärt sich im Fortgang des Textes von alleine.

Zügig nach vorn orientiert zu lesen ist eine wichtige Grundhaltung beim Speed Reading. Entscheidend dafür ist das Vertrauen in Ihre Wahrnehmung. Die meisten Speed Reading Tipps und -Techniken zielen darauf ab, dieses zu erhöhen. Das Ziel lautet: „Reading for meaning“. Das bedeutet: nach Bedeutungen lesen, anstatt Symbole abzuarbeiten.

Übrigens: Interessante Texte ziehen Sie automatisch nach vorne. Umgekehrt erhöht ein schnelleres Lesetempo Ihr Interesse am Text, weil Ihr Gehirn stärker gefordert wird.

4. Absatzspringen – Speed Reading „auf Lücke“.

Dieser Speed Reading-Tipp ist enorm hilfreich, wenn Sie nur an den Hauptgedanken eines Sachtextes interessiert sind. So einfach geht’s: Lesen Sie den ersten und letzten Absatz komplett und von allen anderen Absätzen jeweils nur den ersten Satz. So können Sie gerade längere Texte sehr schnell lesen. Und haben dennoch eine hohe Wahrscheinlichkeit, das Wesentliche zu erfassen. Probieren Sie das erstmal bei Texten aus, für die Sie jetzt gar keine Zeit haben. Beurteilen Sie selbst, ob diese Art schnell zu lesen nicht immerhin besser ist als gar nicht zu lesen! Gut geeignet ist dieser Speed Reading Tipp auch zum Wiederholen bekannter Texte und bei vertrauten Themen. Juristische Texte sind manchmal umgekehrt aufgebaut (“Gutachterstil”). Dann steht der Hauptgedanke am Absatzende. Seien Sie nicht dogmatisch, denn manche Autoren schreiben einfach anders. Fingerspitzengefühl ist gefragt!

Übrigens: Gleich ans Ende eines Textes zu springen ist meistens eine gute Idee! Arbeiten Sie den Text nicht streng chronologisch ab. Schauen Sie erstmal, „wie die Geschichte ausgeht“ (natürlich nicht bei Krimis). So können Sie schneller lesen sowie zielgerichteter und motivierter. Und Sie sind auch eher bereit, mal etwas auszulassen, wenn Sie bereits am Anfang die „Marschroute“ kennen.

5. Schwierige Texte: lieber 2x schnell lesen.

Versuchen Sie gar nicht erst, einen schwierigen Text gleich beim ersten Mal zu verstehen. Besser ist es, einen überschaubaren Abschnitt schnell zu lesen und sich dabei aufs Wesentliche zu beschränken. Ignorieren Sie die Verständnislücken zunächst. Gleich danach lesen Sie dasselbe nochmal und können die Einzelheiten gleich viel besser einordnen. Schwierige Passagen werden im Zusammenhang der weiteren Inhalte besser verständlich. Sie werden unterm Strich nicht nur schneller, sondern auch motivierter lesen. Glauben Sie nicht, dass Speed Reading Tipps nur für „leichte Kost“ geeignet sind! Mit den richtigen Speed Reading-Techniken können Sie prinzipiell alle Textarten effizienter und schneller lesen!

6. „Chunken“ – der ultimative Speed Reading Tipp.

Als Normalleser springt man meist von einem Wort zum nächsten. Das kostet Zeit und behindert das Verständnis, das sich über einzelne Wörter nicht so schnell erschließt. Chunken bedeutet, mehrere Wörter zugleich aufzunehmen. (Das Wort kommt von  englisch „chunk“ = großer Brocken, Bündel.) Dabei sind weniger Augenstopps (Fixierungen) erforderlich, und Sie lesen in sinnvollen Einheiten. Damit verstehen Sie auch besser als bei zusammenhanglosen Einzelwörtern. Beispiel:

über der Stadt
Drei Fixierungen: erst beim dritten Mal ergibt sich die Bedeutung.

über der Stadt
Eine Fixierung: dreimal schneller + sofort eine Bedeutung erfasst.

Der Clou beim Chunken ist also, dass Sie den Text vollständig aufnehmen, besser verstehen und schneller lesen. Dieser Speed Reading Tipp ist sozusagen die „eierlegende Wollmilchsau“!

Chunken trainieren

Von allen Speed Reading-Tipps erfordert das Chunken das meiste Training sowie am besten einen wohldurchdachten Übungsplan. Für den Anfang können Sie zwei senkrechte Linien durch eine Taschenbuchseite ziehen, so dass jede Zeile gedrittelt wird. Dann fixieren Sie jede Zeile genau drei Mal, im rhythmischen Takt: „links-Mitte-rechts“. Wichtig: Ignorieren Sie dabei zunächst den Textinhalt.

Dieser Speed Reading-Tipp beginnt somit als physisches Blicktraining. Es geht schlicht darum, die Augen daran zu gewöhnen, mehr in die Breite zu gucken – mehr nicht. Nach einer Weile solcher „Augengymnastik“ können Sie die Geschwindigkeit drosseln. Sie achten dann stärker auf zusammenhängende Wortverbindungen. Nutzen Sie dafür z.B. Satzzeichen, Substantive oder feststehende Redewendungen („früher oder später“, „mit freundlichen Grüßen“). Mit etwas Übung werden Sie merken, wie sich aus konsequentem Chunken allmählich ein echtes „Flow“-Gefühl beim Lesen entwickelt. Sie „versinken“ gedanklich im Text, weil Sie nach Bedeutungen lesen, anstatt Symbole abzuarbeiten.

Übrigens: Einige wissenschaftliche Anhaltspunkte speziell zum Speed Reading-Tipp „Chunken“ finden Sie (unter Punkt 2.) auf unserer Seite Speed Reading & Wissenschaft.

Und jetzt?

Wie gut ist es Ihnen gelungen, die hier genannten Speed Reading Tipps umzusetzen? Manches davon hat Ihnen vielleicht schon ein paar Erfolgserlebnisse verschafft. Vielleicht haben Sie jetzt „Lust auf mehr“?

Verbringen Sie viel Zeit mit Lesen? Würden Sie gern doppelt so viele Bücher pro Jahr lesen? Oder dieselbe Textmenge in der halben Zeit schaffen – und mehr Zeit für andere Dinge haben? Wie wäre es dann mit einem systematischen Speed Reading-Trainingsprogramm? Dafür bieten wir Ihnen folgende Möglichkeiten:

Ein Rechenbeispiel: Angenommen, Sie verbringen an jedem Arbeitstag nur 2 Stunden mit Lesen. Und Sie schaffen es, nur 25% schneller zu lesen, bei gleichem oder besserem Verständnis. Dann haben Sie übers Jahr 12 Arbeitstage gewonnen. Speed Reading lohnt sich!