
Was die „Future Sight“-Studie für Bildschirmarbeit bedeutet
Augengesundheit war lange ein Thema, an das viele Menschen erst dachten, wenn die Brille nicht mehr stimmte, die Augen brannten oder beim Lesen plötzlich die Arme „zu kurz“ wurden. Doch diese Zeit ist vorbei. Unsere Augen sind heute eines der am stärksten beanspruchten Systeme des modernen Alltags: Bildschirmarbeit, Smartphone-Nutzung, Homeoffice, Videokonferenzen, künstliches Licht, Klimaanlagen, zu wenig Tageslicht und immer längere Lebensarbeitszeiten verändern die Anforderungen an unser Sehen grundlegend.
Genau darauf weist die im März 2026 veröffentlichte Delphi-Studie „Future Sight“ der WHU (Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung) – Otto Beisheim School of Management hin, die im Auftrag von URSAPHARM durchgeführt wurde. Für die Studie bewerteten 57 Fachleute aus Wissenschaft, Medizin, Industrie und Regulierung insgesamt 14 Zukunftsprojektionen zur Augengesundheit in Europa. Die zentrale Botschaft: Augengesundheit wird bis 2035 zu einem strategischen Thema für Gesundheitssysteme, Unternehmen und jede einzelne Person.
Die wichtigste Erkenntnis der „Future Sight“-Studie: Prävention wird entscheidend
Die Studie prognostiziert einen deutlichen Anstieg von Sehproblemen und Augenerkrankungen in Europa. Als zentrale Treiber nennt sie Digitalisierung, demografischen Wandel und veränderte Lebensgewohnheiten. Besonders auffällig ist die Erwartung, dass bis 2035 rund 80 Prozent aller Arbeitsplätze in Europa eine dauerhafte visuelle Fokussierung auf Bildschirme oder vergleichbare Displays erfordern könnten.
Das ist mehr als eine technische Randnotiz. Wenn ein Großteil der Arbeit über Displays organisiert wird, dann wird Sehen zur Basisfähigkeit moderner Produktivität. Wer müde, trockene, brennende oder überforderte Augen hat, arbeitet nicht einfach „ein bisschen unkomfortabler“. Konzentration, Fehlerquote, Lesegeschwindigkeit, Körperhaltung, Schlafqualität und allgemeines Energielevel können mitbetroffen sein.
Die WHU-Studie macht deshalb deutlich: Augengesundheit darf nicht länger nur aus dem „Repataturmodus“ heraus gedacht werden, also erst dann zur Sprache kommen, wenn Beschwerden auftreten. Entscheidend wird der Wechsel von der Behandlung einzelner Symptome hin zu einer echten Präventionskultur.
Bildschirmarbeit als neuer Normalzustand
Viele Menschen verbringen heute beruflich mehrere Stunden täglich vor Monitoren und wechseln danach privat nahtlos zu Smartphone, Tablet, Streaming oder E-Book. Das Problem ist nicht der Bildschirm allein. Problematisch ist die Einseitigkeit: lange Naharbeit, wenig Blickwechsel in die Ferne, reduziertes Blinzeln, starre Körperhaltung und eine visuelle Umgebung, die oft kaum Abwechslung bietet.
In unserem visioflow-Training für gutes Sehen am Bildschirm wird genau dieser Punkt beschrieben: Bildschirm-Sehen unterscheidet sich vom natürlichen Sehen unter anderem dadurch, dass wir direkt in eine Lichtquelle schauen, den Blick relativ starr halten, weniger blinzeln und das periphere Sehen fast vollständig ausblenden.
Das erklärt, warum Beschwerden nicht nur die Augen betreffen. Beim sogenannten Computer Vision Syndrome oder Digital Eye Strain (manchmal auch „asthenopische Beschwerden“ genannt) treten häufig trockene Augen, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen und Konzentrationsprobleme auf. Die „Future Sight“-Studie hält es sogar für möglich, dass Computer Vision Syndrome bis 2035 offiziell in die internationale Krankheitsklassifikation ICD aufgenommen wird.
Trockene Augen: Ein Symptom unserer digitalen Umgebung
Ein besonders häufiges Bildschirmproblem sind trockene, brennende oder gerötete Augen. Die „Future Sight“-Studie erwartet, dass bis 2035 mehr als die Hälfte der europäischen Bevölkerung regelmäßig unter Symptomen trockener Augen leiden könnte. Als mögliche Faktoren nennt sie neben Bildschirmnutzung auch Klimaanlagen, Luftqualität, Klimawandel und die alternde Bevölkerung.
Beim Arbeiten am Bildschirm sinkt die Lidschlagfrequenz oft deutlich. Menschen am Bildschirm blinzeln häufig nur noch etwa 5–7 Mal pro Minute statt 10–15 Mal, zudem oft unvollständig. Dadurch wird der Tränenfilm schlechter verteilt, was gerötete, brennende Augen oder ein Fremdkörpergefühl begünstigen kann.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum Augengesundheit nicht nur mit Augenarztterminen zu tun hat. Auch kleine Gewohnheiten im Alltag entscheiden mit: bewusst blinzeln, Luftfeuchtigkeit verbessern, Pausen einbauen, Abstand zum Bildschirm prüfen und die Augen regelmäßig aus dem Nahbereich lösen.
Kurzsichtigkeit nimmt zu – besonders bei jungen Menschen
Eine der auffälligsten Prognosen der WHU-Studie betrifft die Kurzsichtigkeit. Mindestens 60 Prozent der unter 30-Jährigen in Europa könnten bis 2035 kurzsichtig sein, so die Einschätzung der befragten Expertinnen und Experten. Als Gründe werden veränderte Lebensgewohnheiten genannt, vor allem intensive Naharbeit und zu wenig Tageslicht.
Diese Einschätzung passt zu aktuellen wissenschaftlichen Befunden. Eine 2025 in JAMA Network Open veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit 45 Studien und 335.524 (!) Teilnehmenden fand eine signifikante Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen digitaler Bildschirmzeit und Myopie-Risiko. Das Risiko stieg besonders im Bereich von ein bis vier Stunden täglicher Bildschirmzeit deutlich an.
Wichtig ist dabei: Es geht nicht darum, Bildschirme pauschal zu verteufeln. Digitalisierung ist aus Schule, Studium, Beruf und Alltag nicht mehr wegzudenken. Entscheidend ist vielmehr, dass Naharbeit einen Ausgleich braucht: Tageslicht, Fernblick, Bewegung, unterschiedliche Sehentfernungen und regelmäßige Unterbrechungen.
Warum Augengesundheit auch ein Unternehmensthema ist
Wenn bis 2035 ein Großteil der Arbeitsplätze dauerhaft bildschirmbezogen ist, betrifft Augengesundheit nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Organisationen. Unternehmen investieren viel in Ergonomie, mentale Gesundheit, Bewegung, Ernährung und Stressmanagement. Das Sehen wird dabei oft unterschätzt – obwohl es die Schnittstelle ist, über die ein großer Teil digitaler Arbeit überhaupt stattfindet.
Asthenopische Beschwerden, also visuelle Anstrengungsbeschwerden, können weit über trockene Augen hinausgehen. Sie umfassen neben brennenden Augen auch Kopfschmerzen, zeitweiliges Verschwimmen des Textbildes, Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Konzentrationsprobleme, vorzeitige Ermüdung und allgemeine Erschöpfungszustände.
Für Unternehmen bedeutet das: Augengesundheit gehört ins betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Nicht als Luxusangebot, sondern als Bestandteil moderner Prävention. Dazu gehören ergonomische Bildschirmarbeitsplätze, geeignete Beleuchtung, passende Bildschirmbrillen, realistische Pausenkultur – aber auch Schulungen, die Mitarbeitende befähigen, ihr eigenes Sehverhalten besser zu verstehen und zu kontrollieren.
Prävention bleibt laut Studie vor allem freiwillig
Ein wichtiger Punkt der „Future Sight“-Studie: Verbindliche politische Maßnahmen wie verpflichtende jährliche Augenuntersuchungen oder europaweite Bildschirmzeitbegrenzungen für Kinder gelten laut den befragten Expertinnen und Experten als schwer umsetzbar. Prävention wird daher voraussichtlich weiterhin stark in der Verantwortung des Einzelnen liegen.
Das kann man kritisch sehen, denn individuelle Verantwortung funktioniert nur, wenn Menschen wissen, was sie tun können. Genau hier liegt eine große Chance für Aufklärung: Viele Beschwerden entstehen nicht plötzlich, sondern durch wiederholte kleine Belastungen. Und viele Gegenmaßnahmen sind erstaunlich einfach.
Eine der bekanntesten Sofortmaßnahmen ist die 20-20-20-Regel: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas schauen, das mindestens 20 Fuß, also etwa sechs Meter, entfernt ist. In unserem Training empfehlen wir diese Regel als leicht umsetzbare Pausenübung, die die Blickachsen wieder stärker in Richtung entspannte Parallelstellung bringt und den dauerhaften Nahfokus unterbricht.
Was jede Person für gesündere Augen im Bildschirmalltag tun kann
Augengesundheit beginnt nicht erst bei Spezialbrillen, Apps oder medizinischen Geräten. Die wichtigsten Grundlagen sind einfach, aber wirksam:
Erstens: Naharbeit regelmäßig unterbrechen. Der Blick in die Ferne ist keine verlorene Arbeitszeit, sondern eine Mini-Regeneration für das visuelle System.
Zweitens: Bewusst blinzeln. Gerade bei konzentriertem Lesen, Tabellenarbeit oder Videokonferenzen vergessen viele Menschen das vollständige Blinzeln. Wer bewusst langsam blinzelt, unterstützt die Verteilung des Tränenfilms.
Drittens: Tageslicht nutzen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen spielt Zeit im Freien eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Sehens. Der International Myopia Institute Digest 2025 bezeichnet Outdoor-Zeit weiterhin als einen der stärksten Schutzfaktoren in der Myopieprävention.
Viertens: Bildschirmumgebung prüfen. Abstand, Schriftgröße, Kontrast, Reflexionen, Raumklima und Beleuchtung entscheiden mit darüber, ob Bildschirmarbeit anstrengend oder angenehm ist.
Fünftens: Warnsignale ernst nehmen. Wiederkehrende Kopfschmerzen, Doppelbilder, starkes Brennen, zunehmende Blendempfindlichkeit, verschwommenes Sehen oder deutliche Sehverschlechterungen sollten augenärztlich oder optometrisch abgeklärt werden.
Technologie wird helfen – aber sie ersetzt keine Sehgewohnheiten
Die WHU-Studie erwartet ein starkes Wachstum des europäischen Augenheilkundemarktes. Als Treiber werden neue Technologien in Diagnostik, Therapie und Prävention genannt, darunter Tele-Ophthalmologie, KI-gestützte Screenings, smarte Linsen und individualisierte Behandlungskonzepte. Gleichzeitig könnten Fachkräftemangel, Regulierung und Kosten die Versorgung begrenzen.
Das zeigt ein Spannungsfeld: Technologie kann Früherkennung verbessern und Versorgung effizienter machen. Sie kann aber nicht alle Probleme lösen, die durch tägliches Verhalten entstehen. Eine smarte Kontaktlinse ersetzt keine Pausen. Eine App ersetzt kein Tageslicht. KI-Screening ersetzt nicht die Fähigkeit, eigene Belastungsgrenzen wahrzunehmen.
Die Zukunft der Augengesundheit liegt deshalb wahrscheinlich in einer Kombination aus moderner Diagnostik, guter Versorgung, ergonomischer Arbeitsgestaltung und alltagsnaher Sehprävention, insbesondere dem systematischen Training der Sehfunktionen.
Fazit: Augengesundheit wird zur Schlüsselressource der digitalen Gesellschaft
Die „Future Sight“-Studie bringt auf den Punkt, was viele Bildschirmarbeitende längst spüren: Unsere Augen stehen unter wachsendem Druck. Mehr Bildschirmarbeit, mehr Nahfokus, mehr trockene Augen, mehr Kurzsichtigkeit und eine alternde Bevölkerung machen Augengesundheit zu einem zentralen Zukunftsthema.
Die gute Nachricht: Prävention ist möglich. Sie beginnt mit kleinen Gewohnheiten, die im Alltag realistisch umsetzbar sind. Wer regelmäßig in die Ferne schaut, bewusst blinzelt, Tageslicht sucht, Bildschirmarbeitsplätze ergonomisch gestaltet und Beschwerden früh abklären lässt, investiert nicht nur in gutes Sehen, sondern auch in Konzentration, Energie und Lebensqualität. Ein systematisches Training der Sehfunktionen lässt sich schon im Rahmen eines 2-stündigen Praxisvortrags leicht umsetzen, wie es im Rahmen des visioflow-Trainings seit vielen Jahren wirksam umgesetzt wird.
Augengesundheit ist damit mehr als ein medizinisches Thema. Sie ist eine Zukunftskompetenz – für Kinder, Beschäftigte, Unternehmen und eine Gesellschaft, die immer stärker über Bildschirme lebt und arbeitet.
FAQ: Wachsende Bedeutung von Augengesundheit
Was ist die „Future Sight“-Studie?
„Future Sight“ ist eine Delphi-Studie der WHU (Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung) – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von URSAPHARM. 57 Fachleute bewerteten 14 Zukunftsprojektionen zur Augengesundheit in Europa bis 2035.
Warum wird Augengesundheit wichtiger?
Weil Digitalisierung, Bildschirmarbeit, Homeoffice, KI-gestützte Prozesse, demografischer Wandel und veränderte Lebensgewohnheiten die Anforderungen an das Sehen erhöhen. Die Studie erwartet, dass bis 2035 rund 80 Prozent der Arbeitsplätze in Europa dauerhafte Bildschirmfokussierung erfordern könnten.
Was ist Computer Vision Syndrome?
Computer Vision Syndrome, auch Digital Eye Strain genannt, beschreibt Beschwerden durch längere Bildschirmnutzung. Dazu zählen trockene Augen, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen und Konzentrationsprobleme.
Was hilft gegen trockene Augen am Bildschirm?
Hilfreich sind bewusstes Blinzeln, regelmäßige Blickpausen, ausreichende Luftfeuchtigkeit, passende Raumtemperatur, gute Beleuchtung, ausreichender Abstand zum Bildschirm und bei anhaltenden Beschwerden eine augenärztliche Abklärung.
Ist die 20-20-20-Regel sinnvoll?
Ja, als einfache Alltagspause ist sie gut geeignet: alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas in etwa sechs Metern Entfernung schauen. Sie unterbricht den dauerhaften Nahfokus und kann zur Entlastung beitragen.
_______________________________
Improved Reading (Improved Reading GmbH & Co. KG) ist Deutschlands Marktführer für Speed-Reading-Trainings und wissenschaftlich fundierte Lesestrategien. Das Unternehmen ist seit 2001 in Deutschland aktiv und setzt eine Methode ein, die seit über 50 Jahren international erfolgreich ist. Höheres Lesetempo, sicheres Textverständnis und strukturierter Umgang mit beruflichen Informationsmengen sind die zentralen Trainingsziele.
Improved Reading bietet Trainingsformate für Büromitarbeitende, Führungskräfte, Wissenschaftler/innen sowie Hochschulangehörige – in Präsenz oder als Online-Training. Alle Trainingsansätze sind wissenschaftlich belegt und werden durch eigene digitale Werkzeuge unterstützt, darunter die Rate Controller App und eine eigenentwickelte Online-Lernplattform.
Seit Gründung haben in Deutschland über 50.000 Menschen die Improved-Reading-Methode trainiert. 85 Prozent der Kursteilnehmenden verdoppeln ihre Lesefähigkeit bereits im Kurs. Referenzkunden sind u.a.: Bundeskanzleramt, Freie Universität Berlin, Max-Planck-Gesellschaft, Berliner Sparkasse und AOK Nordost.
Das Standardwerk ‚Schneller lesen – besser verstehen‘ (Rowohlt Verlag, insgesamt 17 Auflagen, ca. 100.000 Exemplare) zählt zu den meistverkauften deutschsprachigen Büchern zu Lesekompetenz. Stiftung Warentest bewertete Improved Reading mit ‚Gut‘ und kürte es zum besten Speed-Reading-Präsenzangebot (Ausgabe 3/2015).
Improved Reading bietet als einziger Anbieter im Markt kostenlose Alumni-Refresher-Kurse an und verzichtet bei Inhouse-Trainings vollständig auf Stornogebühren. Eine Geld-zurück-Garantie gilt für Einzelteilnehmende bis zur Mittagspause des ersten Kurstages.
Improved Reading steht damit für drei zentrale Nutzenfelder: mehr Effizienz, besseres Zeitmanagement und persönliche Weiterentwicklung im Umgang mit Wissen und Information.
Friedrich Hasse M.A. ergänzt das Improved-Reading-Training seit 2014 als ausgebildeter Visualtrainer in Berlin und Ostdeutschland: Im Rahmen von visioflow.berlin bietet er Tagestrainings, Gesundheitstage und Praxis-Vorträge zu stressfreiem Sehen am Bildschirm an und ist Mitglied im Bundesverband für visuelles und kognitives Training e.V.

