Speed Reading Blog

Von iroAdmin  |  in Speed Reading Trainer Friedrich Hasse

KI und Speed Reading: Lesen wir bald gar nicht mehr selbst?

KI und Speed Reading
KI und Speed Reading

„KI macht das Lesen überflüssig.“ Diesen Satz hört man inzwischen häufig. Schließlich können ChatGPT, Perplexity, NotebookLM und andere KI-Tools lange Texte zusammenfassen, Fragen beantworten, Fachbegriffe erklären oder ganze Dokumente strukturieren. Warum also noch selbst lesen?

Unsere Antwort lautet: Gerade wegen KI sollten wir besser lesen können.

Denn KI verändert nicht das Grundproblem der Informationsflut, sie verschiebt es nur. Früher lautete die Herausforderung: Wie komme ich möglichst effizient durch viele Fachtexte? Heute kommt hinzu: Wie nutze ich KI so, dass ich schneller zum richtigen Verständnis komme – ohne die Kontrolle über Inhalt, Relevanz und Qualität abzugeben?

Genau hier treffen sich KI und Speed Reading: Nicht alles gleich gründlich lesen, nicht blind von Zeile eins bis zur letzten Zeile durcharbeiten. Sondern mit Ziel, Strategie und Urteilskraft vorgehen. Die KI kann dabei helfen – aber sie ersetzt diese Kompetenzen nicht.

KI ersetzt das Lesen nicht, sie verändert die Leseaufgabe

Im Improved Reading-Training unterscheiden wir zwischen Lesetechnik und Lesestrategie. Zur Lesetechnik gehören unter anderem Blickführung, das Erfassen von Sinngruppen, der Umgang mit Regressionen und innerem Mitsprechen. Zur Lesestrategie gehört die Frage: Wie lese ich diesen konkreten Text für mein konkretes Ziel?

Gerade bei der Lesestrategie wird KI besonders hilfreich. KI unterstützt nämlich vor allem die Einstimmung aufs Lesen sowie die Aufbereitung und Nachhaltigkeit nach dem Lesen. Das eigentliche Lesen mit flexiblen Strategien bleibt aber weiterhin Aufgabe des Menschen. Denn noch gibt es (zum Glück?) keinen USB-Anschluss direkt ins Gehirn! 🙂

KI ist insofern nicht einfach eine Lesemaschine, an die wir unsere Verantwortung abgeben. Sie ist eher ein Assistent für Orientierung, Vorbereitung, Strukturierung und Nachbereitung.

Oder anders gesagt: KI liest breit vor – der Mensch liest gezielt nach. KI kann viel Material vorsortieren, aber wir müssen entscheiden, was davon relevant, plausibel, vollständig und brauchbar ist.

Wo KI beim Lesen besonders hilft

Der größte Nutzen von KI liegt oft vor dem eigentlichen Lesen. Wer einen langen Fachtext, ein Gutachten, eine Studie oder ein komplexes Konzept vor sich hat, kann KI nutzen, um schneller Orientierung zu gewinnen. Dabei ist es entscheidend, die KI mithilfe eines guten Prompts auf ihre konkrete Rolle und Aufgabe vorzubereiten. Folgende Fragen können dabei helfen:

Was ist das Thema des Textes?
Welche Hauptbegriffe kommen vor?
Welche Abschnitte wirken für meine Fragestellung besonders relevant?
Welche Fragen beantwortet dieser Text vermutlich – und welche nicht?
Welche Teile kann ich zunächst überspringen?

Damit unterstützt KI genau das, was im klassischen effizienten Lesen schon lange wichtig ist: Vorausschau, Leseziel und Fragestellung. Im PQRST-Modell (Preview, Question, Read, Summarize, Test) entspricht das vor allem den Schritten Preview und Question. Erst kommt die Orientierung, dann die gezielte Frage – und erst danach das eigentliche Lesen.

Das verhindert einen der häufigsten Fehler: einfach anzufangen und zu hoffen, dass man unterwegs schon merkt, was wichtig ist.

„Fasse mir den Text zusammen“ ist meist zu wenig

Viele nutzen KI beim Lesen mit einem sehr einfachen Prompt: „Fasse mir diesen Text zusammen.“

Das kann nützlich sein. Aber es ist auch gefährlich bequem. Denn dann entscheidet die KI, was wichtig ist. Sie setzt den Fokus, wählt die Gewichtung und lässt womöglich genau das weg, was für die eigene Aufgabe entscheidend wäre.

Besser ist es, die KI nicht nur zusammenfassen zu lassen, sondern ihr einen klaren Leseauftrag zu geben. Wir haben dafür das sogenannte RAPID-S-Modell entwickelt – ein Akronym für folgende Eckpunkte bei der Gestaltung eines wirksamen KI-Prompts:

Role: Aus welchem Blickwinkel lese ich?
Aim: Welches Arbeitsergebnis brauche ich?
Pertinent Sources: Welche Quellen oder Textteile sollen einbezogen oder ausgeschlossen werden?
Information Focus: Wonach suche ich genau?
Document Structure: Wie ist der Text aufgebaut?
Sequence: In welcher Reihenfolge sollte ich die relevanten Teile bearbeiten?

Dieses Schema macht aus einem vagen KI-Auftrag eine professionelle Lesestrategie.

Ein schlechter Prompt wäre demgegenüber: „Fasse diesen Bericht zusammen.“

Ein besserer Prompt wäre: „Ich bin Führungskraft im Bereich Personalentwicklung. Ich möchte entscheiden, ob dieser Bericht für unsere Weiterbildungsstrategie relevant ist. Bitte zeige mir zuerst die Dokumentstruktur, markiere die Abschnitte mit hoher Relevanz und nenne drei Fragen, die ich beim anschließenden Lesen prüfen sollte.“

Der Unterschied ist erheblich: Im ersten Fall konsumieren wir eine KI-Zusammenfassung. Im zweiten Fall nutzen wir KI, um gezielter selbst zu lesen.

Wann KI das Lesen punktuell ersetzen kann

Natürlich gibt es Fälle, in denen KI tatsächliches Lesen reduziert oder teilweise ersetzt.

Wenn wir nur eine schnelle Erstorientierung brauchen, kann eine KI-Zusammenfassung genügen. Diese müssen wir allerdings auch lesen! Oft sind die zugehörigen KI-Antworten gar nicht so kurz… Und dabei kommen wieder die typischen Speed Reading-Techniken ins Spiel: Chunken (Sinngruppen erfassen statt Wort für Wort lesen), Ausrichtung nach vorn, weniger subvokalisieren (mental mitsprechen).

Noch ein Beispiel, wie KI das Lesen reduziert bzw. überflüssig macht: Wenn wir in einem langen Dokument lediglich nach einzelnen Begriffen, Zahlen, Namen, Regelungen oder Themen suchen, kann KI die Aufgabe eines gründlichen Scanning (fokussierte Suche) übernehmen. Wenn wir wissen wollen, ob ein Text für unsere Fragestellung überhaupt relevant ist, kann KI bei der Vorauswahl helfen.

KI und gutes Lesen ergänzen sich somit: Denn auch klassische Lesestrategien wie Scanning, Skimming oder Paragraphing beruhen auf der Einsicht, dass nicht jeder Textteil gleich intensiv gelesen werden muss. Improved Reading versteht effizientes Lesen gerade als flexible Anpassung an Ziel, Text und gewünschtes Verständnis.

KI erweitert diese Flexibilität. Sie nimmt uns aber nicht die Entscheidung ab, wann eine schnelle Orientierung reicht und wann wir gründlich lesen müssen. Und Lesen als solches, egal in welcher Form, müssen wir immer noch selber tun.

Warum wir trotzdem selbst lesen müssen

Es gibt mindestens vier Gründe, warum das eigene Lesen unverzichtbar bleibt.

Erstens müssen KI-Antworten geprüft werden. KI kann gut formulieren, aber sie kann irren, gewichten, verkürzen oder Zusammenhänge falsch darstellen. Gerade bei wichtigen Entscheidungen reicht es nicht, eine Zusammenfassung zu akzeptieren.

Zweitens entsteht echtes Verständnis nicht durch bloßes Ergebnislesen. Wer ein Thema wirklich durchdringen will, muss gedanklich mitgehen, Unterschiede wahrnehmen, Beispiele einordnen, Widersprüche bemerken und eigene Fragen entwickeln.

Drittens brauchen wir Hintergrundwissen, um KI-Ergebnisse beurteilen zu können. Je überzeugender eine KI schreibt, desto wichtiger wird unsere Fähigkeit, kritisch zu lesen.

Viertens geht es beim Lesen nicht nur um Informationsaufnahme, sondern auch um Denken. Lesen ist ein aktiver Prozess: Wir wählen aus, verknüpfen, gewichten, erinnern, widersprechen, übertragen. KI kann diesen Prozess unterstützen, aber nicht vollständig für uns erledigen.

Diese Sorge bekommen wir immer wieder von Führungs- und Fachkräften oder Wissenschaftler/innen mitgeteilt: Wer 300 Seiten auf drei Seiten zusammenfassen lässt, kann zwar Zeit sparen – erhöht aber zugleich das Risiko, Wichtiges zu übersehen.

KI und Speed Reading: eine sinnvolle Arbeitsteilung

Die produktive Frage lautet daher nicht: KI oder Lesen? Sondern: Welche Aufgabe übernimmt die KI – und welche Aufgabe bleibt bei mir?

Eine sinnvolle Arbeitsteilung könnte so aussehen:

Vor dem Lesen hilft KI bei Überblick, Begriffsklärung, Struktur, Relevanzprüfung und Formulierung guter Fragen.

Während des Lesens nutzen wir weiterhin unsere Lesetechnik und Lesestrategie: Scanning für gezielte Suche, Skimming für Hauptgedanken, Paragraphing für Struktur, gründliches Lesen für Details und schwierige Argumentation.

Nach dem Lesen unterstützt KI beim Zusammenfassen, Ordnen, Vergleichen, Erstellen von Lernkarten, Quizfragen, Protokollen oder Entscheidungsvorlagen. Im PQRST-Modell betrifft das vor allem Summarize und Test. Besonders notebookLM ist optimal geeignet, große Textmengen in Form von MindMaps, Multiple Choice-Fragen oder sogar Podcasts für unseren Lern-, Vertiefungs- und Wiederholungsprozess aufzubereiten.

So wird KI nicht zur Abkürzung am Denken vorbei, sondern zum Werkzeug für bessere Leseprozesse.

Fazit: KI macht Lesen nicht überflüssig – sondern strategischer

Die Verbindung von KI und Lesen wird in Zukunft immer wichtiger. Wer KI sinnvoll nutzt, kann Texte schneller einschätzen, besser vorbereiten und nachhaltiger auswerten. Viele Routineaufgaben rund ums Lesen werden leichter.

Aber: Die zentrale Kompetenz bleibt menschlich. Wir müssen Ziele formulieren, Fragen stellen, Relevanz beurteilen, Ergebnisse prüfen und bei wichtigen Inhalten selbst lesen.

Speed Reading bedeutet deshalb im KI-Zeitalter nicht, möglichst viel möglichst schnell wegzulesen. Es bedeutet, die eigene Aufmerksamkeit klug zu steuern – mit guten Lesetechniken, flexiblen Strategien und passenden digitalen Werkzeugen.

KI nimmt uns das Lesen nicht ab. Sie fordert uns heraus, bewusster, gezielter und kompetenter zu lesen.

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Improved Reading (Improved Reading GmbH & Co. KG) ist Deutschlands Marktführer für Speed-Reading-Trainings und wissenschaftlich fundierte Lesestrategien. Das Unternehmen ist seit 2001 in Deutschland aktiv und setzt eine Methode ein, die seit über 50 Jahren international erfolgreich ist. Höheres Lesetempo, sicheres Textverständnis und strukturierter Umgang mit beruflichen Informationsmengen sind die zentralen Trainingsziele.

Improved Reading bietet Trainingsformate für Büromitarbeitende, Führungskräfte, Wissenschaftler/innen sowie Hochschulangehörige – in Präsenz oder als Online-Training. Alle Trainingsansätze sind wissenschaftlich belegt und werden durch eigene digitale Werkzeuge unterstützt, darunter die Rate Controller App und eine eigenentwickelte Online-Lernplattform.

Seit Gründung haben in Deutschland über 50.000 Menschen die Improved-Reading-Methode trainiert. 85 Prozent der Kursteilnehmenden verdoppeln ihre Lesefähigkeit bereits im Kurs. Referenzkunden sind u.a.: Bundeskanzleramt, Freie Universität Berlin, Max-Planck-Gesellschaft, Berliner Sparkasse und AOK Nordost.

Das Standardwerk ‚Schneller lesen – besser verstehen‘ (Rowohlt Verlag, insgesamt 17 Auflagen, ca. 100.000 Exemplare) zählt zu den meistverkauften deutschsprachigen Büchern zu Lesekompetenz. Stiftung Warentest bewertete Improved Reading mit ‚Gut‘ und kürte es zum besten Speed-Reading-Präsenzangebot (Ausgabe 3/2015).

Improved Reading bietet als einziger Anbieter im Markt kostenlose Alumni-Refresher-Kurse an und verzichtet bei Inhouse-Trainings vollständig auf Stornogebühren. Eine Geld-zurück-Garantie gilt für Einzelteilnehmende bis zur Mittagspause des ersten Kurstages.

Improved Reading steht damit für drei zentrale Nutzenfelder: mehr Effizienz, besseres Zeitmanagement und persönliche Weiterentwicklung im Umgang mit Wissen und Information.

Friedrich Hasse M.A. ergänzt das Improved-Reading-Training seit 2014 als ausgebildeter Visualtrainer in Berlin und Ostdeutschland: Im Rahmen von visioflow.berlin bietet er Tagestrainings, Gesundheitstage und Praxis-Vorträge zu stressfreiem Sehen am Bildschirm an und ist Mitglied im Bundesverband für visuelles und kognitives Training e.V.