Von Friedrich Hasse  |  in Allgemein

Gut lesen & leben:
Mit Speed Reading zu höherer Lebensqualität

In einem längeren Bericht des englischsprachigen, akademischen Non-Profit-Blogs „The Conversation“ wird über den hohen positiven Einfluss des Lesens auf unsere Lebenszufriedenheit berichtet, den eine Umfrage in Großbritannien erwiesen hat. Wer nur 20-30 Minuten pro Woche (!) liest, hat eine 18% höhere Selbstachtung, eine um 52% erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich sozial integriert zu fühlen und eine um 20% erhöhte Wahrscheinlichkeit, generell mit seinem Leben zufrieden zu sein. Gemeint ist die Lektüre von Romanen oder anderen Büchern, bei denen man sich komplett in eine andere Welt fallenlässt (also nicht etwa Facebook). Diese Art Lektüre fördert die Empathiefähigkeit, also unser Verständnis für das Denken und die Meinungen anderer; außerdem werde wir dabei an Kenntnisse, Gefühle oder Fähigkeiten erinnert, die wir mit den Romanfiguren teilen und die bei uns selbst schon in Vergessenheit geraten waren. Lesen hilft uns, unsere bornierte alltägliche Sicht auf die Dinge zu überschreiten und mit einem größeren Erfahrungshorizont zu verweben. Auch deshalb sind Menschen, die viel lesen, meist die interessanteren Gesprächspartner und daher sozial höher angesehen bzw. besser vernetzt. Sogar als ein Schutz gegen Depressionen wird häufiges Freizeit-Lesen bezeichnet, u.a. weil wir beim Lesen erfahren können, dass wir unsere Sorgen und Ängste mit anderen Menschen teilen.

Warum Speed Reading? Es geht doch um Genuss..!?

Ein stolzer Anteil von einem Drittel der Befragten äußert die Meinung, dass er „selten oder nie“ (zum Vergnügen) lese. Als Hauptgrund wird „mangelnde Zeit“ genannt. An dieser Stelle kommt Speed Reading ins Spiel, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Wer schnell und effizient liest, benötigt für ein gegebenes Lesevolumen auf der Arbeit weniger Zeit als ein untrainierter Leser. Wer als Ergebnis eines Speed Reading-Kurses das Büro täglich nur eine Viertelstunde früher verlassen kann, gewinnt bereits ein Vielfaches der Zeit, die in diesem Beitrag als notwendiges Minimum für die beschriebenen Positiv-Effekte des privaten Vergnügungslesens genannt werden (20-30 Minuten pro Woche).
  • Ein trainierter Speed Reader verfügt nicht nur über größere zeitliche Spielräume für privates Lesen, sondern er erlebt auch eine höhere „Selbstwirksamkeit“ beim Lesen als ein langsamer Leser: Wer nur eine halbe Stunde Zeit zum Lesen zur Verfügung hat (weil nach der Arbeit die Kinder versorgt werden müssen, die Partnerin/der Partner auf einen warten, der Haushalt erledigt werden muss, etc.), wird viel eher zu einem Buch greifen, wenn er weiß, dass er in dieser halben Stunde überhaupt einen relevanten Abschnitt in dem Buch „schaffen“ wird; wer sich als langsamen Leser einschätzt, weiß hingegen eh schon, dass die Zeitspanne von 30 Minuten kaum ausreichen wird, um zu den nächsten spannenden Ereignissen im Roman vorzudringen – es dauert schlichtweg eine zu „lange Weile“, und Lesen wird somit als „langweilig“ erfahren.
  • Eine der wichtigsten Speed Reading-Techniken ist das sogenannte „Chunken“ – das Erfassen von Sinngruppen anstatt einzelner Wörter. Diese Technik ermöglicht nicht nur eine bedeutende Steigerung der Lesegeschwindigkeit, sondern auch das Erfassen eines Textes in bedeutungsvollen Einheiten, was beim langsamen Wort-für-Wort-Lesen gerade verhindert wird. Mit anderen Worten: Erst bei einem angemessen hohen Lesetempo können wir die Bedeutung eines Textes optimal erfassen. (Interessanterweise praktizieren viele Menschen beim privaten Romane-Schmökern ganz von allein die „Chunking“-Technik bis zu einem gewissen Grad…während sie bei den wichtigen Fachtexten auf der Arbeit oder an der Uni in ein übertrieben vorsichtiges Wort-für-Wort-Lesen zurückfallen.)

 

 

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